Plakate, Schlösser und der Aussenhandel

In letzter Zeit fiel mir verstärkt auf, daß Plakate einen nicht unwesentlichen Teil meiner Aufmerksamkeit binden. Zum einen liegt das sicherlich daran, daß ich mich viel mit freiem Kopf durch Städte bewege, zum anderen, daß diese nicht so kumuliert auftreten, wie andere Werbemittel. Man sieht eines, macht sich im Weitergehen Gedanken, oder auch nicht, und ein paar Minuten später kommt das nächste. Die im Gehirn hinterlassenen Spuren können unterschiedlichster Art und Konsequenz sein.

Vor zwei Wochen habe ich zum ersten Mal die Direktabgeordnete meines Wahlkreises im Landtag gesehen. Sie hat ihre Plakate aufgehängt. Als erste in der Stadt. Fand ich unabhängig ihrer politischen Gesinnung gut, und bin ihr prompt auf Facebook gefolgt. Seitdem interagiere ich mal mehr mal weniger mit ihr. Vor einer Woche ist mir in Zürich ein Plakat aufgefallen, das mir irgendwie nicht aus dem Kopf ging. Zu Hause habe ich dann über Google nach Absender (hatte ich vergessen) und Kampagne recherchiert und über Facebook diverse Anfragen gestellt, um mehr darüber zu erfahren. Es handelte sich um die neue Positionierung von Emirates. Gestern habe ich mein Lauftraining um ein paar Kilometer verlängert, nur um zu überprüfen, ob Lindner auf dem Energieplakat am Militärring so einen leicht diabolischen Gesichtsausdruck hat, wie er mir nach dem flüchtigen Erstkontakt in Erinnerung blieb. Habe mir dann überlegt, mich mehr mit diesen Phänomenen zu befassen, dann aber ein Blog gefunden, das sich in wunderbarer Weise mit diesen Themen beschäftigt: Campaignwatchers. Es handelt sich um ein Blog der Universität Hohenheim (s. Kommentar unten). Also werde ich mich auf das Lesen und eventuelles Kommentieren und Anmerken beschränken, sofern es mir gestattet ist. Das Thema Lindner mit und ohne Trenchcoat wäre mir zum Beispiel völlig entgangen.

Auch bei Hohenheim musste ich etwas schmunzeln. Dort habe ich die erste Seminararbeit meines Studiums geschrieben. Ein schönes Schlösschen auf den Hügeln von Stuttgart. Hatte mich dort zwar nach dem Abitur um ein BWL-Studium beworben, die ZVS hatte mich dann aber nach Bayreuth verschickt. Eine Maßnahme mit der ich rückblickend aber nicht unglücklich war. Vor allem da manche frühere Freunde bis heute den Absprung aus heimatlichen Gefilden nicht geschafft haben. Nichts desto Trotz habe ich meine erste Seminararbeit in der schönen Schlossbibliothek von Hohenheim verfasst, und mich von Mutter durchfüttern lassen. Damals mußte man nämlich Arbeiten noch in Bibliotheken verfassen bzw. recherchieren, da es das Internet noch nicht gab, nur Microfiches. Von daher hatten Universitäten im Grünen zwecks Entspannung der Augen große Vorteile. Der Titel des literarischen Werkes war “Ordnungspolitische Rahmen des Außenhandels”. Erhalten habe ich ein für mich unbefriedigendes “befriedigend”. Die Begründung dafür lag in der wohl etwas zu “sozialromantischen” Darstellung. Wahrscheinlich hatte rückblickend auch hier der betreuende Professor Egon Görgens nicht ganz unrecht.

Dafür habe ich dann ein paar Jahre später in der Diplomklausur im selben Fach mit dem Thema “Mögliche Effekte bei der Fusion von Zahlungsbilanzen am Beispiel der deutschen Einheit” die beste Arbeit geschrieben. Das lag daran, daß ich ein paar Tage vorher komischerweise davon geträumt, das ernst genommen, und mich darauf vorberietet habe. Hätte sonst nicht gewußt auf was, bei der Menge an Inhalten in einem allgemeinen Fach. Ein klarer Wettbewerbsvorteil. Gleicht sich ja vielleicht doch alles irgendwie aus. Man weiß es nicht. Nicht wahr Herr Görgens.

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2 thoughts on “Plakate, Schlösser und der Aussenhandel

  1. Vielen Dank für die Verlinkung unseres Blogs campaignwatchers.de! Allerdings handelt es sich bei dem Blog nicht um ein studentisches Blog, sondern um ein Blog des Lehrstuhls von Prof. Dr. Frank Brettschneider, auf dem v.a. Mitarbeiter des Lehrstuhls bloggen und hin und wieder auch Studierende (deren Beiträge dann von uns Mitarbeitern moderiert werden).

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