Megacities

Aufgrund der tragischen Ereignisse in Japan mit noch unvorhersehbaren Folgen, stelle ich mir die Frage zur weiteren Entwicklung der menschlichen Zivilisation. Fakt ist, daß wir es seit mehreren Jahren mit einem dramatischen Anstieg der Weltbevölkerung zu tun haben. Während 1804 gerade eine Milliarde Menschen auf der Erde wohnten, waren es 1985 bereits fünf. In den nächsten Monaten wird die sieben Milliarden Hürde überschritten werden. 2010 werden zehn Milliarden Menschen unseren Planeten bewohnen.

Zeitgleich haben wir es mit einer rasant zunehmenden Verstädterung zu tun. 1950 lebten noch 30 Prozent der Menschen in Städten, 2007 waren es bereits 50 Prozent, und 2050 werden es 70 Prozent sein. 1950 war New York City weltweit die einzige Stadt mit über 10 Mio. Einwohnern, heute gibt es bereits über 20.

Alleine in Indien und China werden in den nächsten 20 bis 30 Jahren weitere 250 bzw. 400 Millionen Menschen vom Land in die neuen Megazentren ziehen, um von der florierenden Entwicklung dort zu profitieren.

Die zunehmende Verstädterung stellt die Menschheit dabei also vor große Chancen aber auch Herausforderungen. Sie wirkt sich positiv auf die Durchschnittseinkommen und das wirtschaftliche Wachstum bisher eher ländlich geprägten Menschen, Staaten, aber auch der Weltwirtschaft aus. In Schwellenländern wie China und Indien wird ein Anstieg des Lebensstandards auf westliches Niveau in den nächsten Jahrzehnten erwartet. Die Entwicklung birgt jedoch auch enorme Risiken in der Infrastruktur, Umweltverschmutzung, Armut, Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Ghettoisierung. Derzeit lebt zirka 30 Prozent der weltweiten Stadtbevölkerung, angezogen von den Perspektiven auf ein besseres Leben, in Slums, was etwa einer Milliarde Menschen entspricht.

Die stark zunehmende Erdbevölkerung, Industrialisierung und Urbanisierung hat einen enormen Anstieg des weltweiten Energiebedarfs zur Folge. Bis 2030 wird ein Anstieg um 50 Prozent prognostiziert, bis 2050 wird es zu einer Verdoppelung kommen. Derzeit wird 85 Prozent des weltweiten Energiebedarfs durch fossile Brennstoffe, mit den bekannten Auswirkungen auf die Erderwärmung und den Klimawandel bestritten. Trotz dieser Auswirkungen wird weltweit ein steigender Anteil fossiler Brennstoffe an der Energiegewinnung erwartet.

Eine natürliche Grenze in dieser Entwicklung stellen die Reserven dieser Energieträger dar, die bei derzeitigen Prognosen zwischen 50 und 200 Jahren reichen. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) müßten weltweit pro Jahr 30 neue Kernkraftwerke gebaut werden, und der Einsatz regenerativer Energien stetig ausgebaut werden, um den CO2-Ausstoss bis 2050 zu halbieren. Der Anteil des Atomstroms läge dann wie der aus fossilen Brennstoffen bei 25 Prozent. Erneuerbare Energien könnten demzufolge bis dahin 50 Prozent des Strombedarfs decken. Bis 2030 wäre laut der Mehrheit der Studien bereits ein Anteil der erneuerbaren Energien von 25 Prozent am weltweiten Energiebedarf möglich. Wissenschaftler der Universität Stanford  skizzierten jedoch bereits einen Plan für eine Emissions- und kernkraftfreie Welt ab 2030.

In Deutschland wird derzeit 10 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien gewonnen. Die Prognosen reichen von einem möglichen Anteil von 30 Prozent bis 2015 oder erst bis 2030. Teilweise wird sogar von möglichen Anteilen von 47 Prozent bis 2020 gesprochen. Aufgrund der hohen Bandbreite dieser Prognosen, und um Versorgungslücken auszuschließen, hat sich die Bundesregierung entschlossen einen der niedrigsten Prognosewerte zur Planung der weiteren Energiepolitik anzusetzen.

Die Ereignisse in Japan werden sicherlich die energiepolitischen Entscheidungen weltweit vor folgenden Hintergründen hinterfragen: Inwiefern besteht wo ein vergleichbares Risiko, das mit einem Erdbeben der Stärke 9 von 10 der Richterskala in Kombination mit einem Tsunami vergleichbar ist? Wurden andere Risiken unterschätzt, wie hoch ist deren Eintrittswahrscheinlichkeit, und wie sind die Sicherheitsvorkehrungen dafür? Die daraus resultierende Risikowahrscheinlichkeit ist mit anderen Risikofaktoren bzw. -wahrscheinlichkeiten, denen man im täglichen Leben ausgesetzt ist, zu vergleichen. In einem weiteren Schritt werden sicherlich die zur Verfügung stehenden Studien zur Entwicklung erneuerbarer Energien überprüft werden müssen, und daran gearbeitet werden, die hohe Bandbreite der Ergebnisse in zuverlässige Planungsdaten und Kalkulationen zu verdichten. Zudem wäre ein konstruktiver und sachlicher Austausch auch andersdenkender Parteien und Gruppierungen im Sinne eines optimierten Ergebnisses wünschenswert.

Zum besseren globalen Verständnis wäre die Erhöhung der Transparenz hilfreich. Die Entwicklung eines weltweiten Risikoindex für jedes Kernkraftwerk, in den neben technischen Ausstattungsmerkmalen auch geographische und sonstige Risikofaktoren einfließen und der mit anderen Risiken vergleichbar ist, wäre eine Maßnahme. Ähnliche Indikatoren wären für die Effekte von Kohlekraftwerken zu entwickeln. Darauf aufbauend wären Energie- und Risikoprofile für Länder und Regionen entwickelbar. Weiterhin würde die Konsolidierung der diversen Studien, bzw. eine Verständigung über die zugrundeliegenden Hypothesen zum Einsatz und der Kosten regenerativer Energien die Meinungsbildung erleichtern.

Insgesamt zeigen uns die aktuellen Bilder und Entwicklungen, daß die größten Probleme und Gefahren der Menschheit nur global lösbar sind, nicht nur aus humanitären Gründen, sondern auch aufgrund ökologischer und ökonomischer Verflechtungen, und eine verstärkte Zusammenarbeit unter Zurückstellung nationaler Interessen in immer mehr Themenbereichen erforderlich ist, um die Wahrscheinlichkeit des Eintritts weiterer Katastrophen zu minimieren.

Zunächst drücke ich jedoch Japan die Daumen, daß der GAU ausbleibt.

Weiterführende Links:

Entwicklung der Weltbevölkerung

Weltweite Verstädterung

Ökonomische Impulse

Einstieg und Austieg in die Kernenergie

Kernenergie nach Ländern

Weltenergiebedarf

Erde 3.0

Erneuerbare Energien

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One thought on “Megacities

  1. ute gallus-weihler

    hallo ulrich

    das mit der zusammenfassung der studien hast du wirklich gut und schön übersichtlich gemacht.
    mit den inhalten werde ich mich noch ein paar tage beschäftigen.
    wirklich interessant und so präzise erklärt.
    mein grosses kompliment.

    gruss ute

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