public or private?

Wir alle erinnern uns an die legendären und großen Public Viewing Events in Deutschland während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die maßgeblich für die häufige Bezeichnung “Sommermärchen 2006” verantwortlich waren. Diese waren bekannterweise ursprünglich nicht geplant, sondern wurden aufgrund der starken Übernachfrage nach Eintrittskarten für die Spiele kurzfristig initiiert. Soziologen sprachen daraufhin von einer dauerhaft veränderten Erlebniskultur des Fußballs, neuer Ritualisierung oder sogar einer Revolution gesellschaftlicher Verhaltensmuster und Kollektivierung.

In den letzten Tagen war jedoch eindeutig zu beobachten, daß der Trend zum Public Viewing stark nachgelassen hat. Selbst bei erwartungsvollen Spielen dieser Weltmeisterschaft ist die Lärmkulisse um die Kneipenlandschaft meines Viertels stark zurückgegangen, vor den Lokalen sind kaum Menschentrauben anzutreffen. Ein Blick ins Internet bestätigt mich dabei.

Gemäß einer Studie der Universität Hohenheim, die im Vorfeld des Cups durchgeführt wurde, war diese Entwicklung vorhersehbar. Fast 90 Prozent der Befragten gaben an, die Spiele entspannt vor dem heimischen Fernseher zu verfolgen. Diese Ergebnisse werden durch die Absatzzahlen der Hersteller von Fernsehgeräten flankiert, die von Rekordumsätzen sprechen. 70 Prozent der verkaufen Geräte basieren bereits auf HDTV-Technologie. Der Absatz neuer 3D-Geräte wird diesen Trend stabilisieren. 25 Partien werden bereits 3D-Übertragen. Nach dem ersten Spiel mit deutscher Beteiligung ermittelte die GfK 28 Millionen Zuschauer im privaten Umfeld, nach 20 Millionen beim Auftaktspiel vor vier Jahren. In den Communities werden bereits Stimmen laut, die sich klar gegen Public Viewing aussprechen, und über warmes oder abgestandenes Bier, überteuerte Preise, schlechte Sicht- und Platzverhältnisse, bis hin zu Gruppenzwang klagen. Brauereien berichten generell über Veränderungen in der Trinkkultur und rückläufigen Bierkonsum.

Zweifellos unterliegt sowohl unser individuelles Wertesystem als auch unsere Gesellschaft einem Wandel, der sicherlich auch an Dynamik gewinnt. Das Phänomen Public versus Private Viewing zeigt uns jedoch auch, daß es heutzutage nicht ungewöhnlich ist, wenn sich scheinbar gegensätzliche Entwicklungen gleichzeitig abspielen, und der Mensch einfach flexibler wird.

Das schwedische Königshaus war übrigens so flexibel, daß es aufgrund mangelnder Nachfrage die geplanten Public Viewing Events anlässlich der Hochzeit der Kronprinzessin am 19. Juni abgesagt hat.

Soziologische Erläuterung des Public Viewing

Studie zum Betrachtungsumfeld der WM

Gründe gegen Public Viewing

Veränderungen der Trinkkultur

Public Viewings anlässlich der Hochzeit im schwedischen Königshaus

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