Touch or not?

Besonderes Interesse an der diesjährigen FIFA-Weltmeisterschaft finden neben den eigentlichen Spielen und den volkstümlichen Blasinstrumenten der Fans, die neuen Touchscreen-Großmonitore in den deutschen Fernsehstudios. Moderatoren sind hierdurch in der Lage, bei der Spielauswertung relevante Szenen auf den Großbildschirmen selbst zu aktivieren. Dies geschieht mit Hilfe einer besonderen “Wischtechnik” auf den Monitoren. Diese Technologie wird ebenso seit Anfang Juni für die Wetterkarte im ARD-Morgenmagazin eingesetzt.

Wie bei jeder Innovation treten hierbei auch zahlreiche “Kinderkrankheiten” auf. Filme werden nicht aktiviert, falsche eingespielt oder sie brechen während des Abspielens ab. Ebenso sind die Bewegungsabläufe der Moderatoren bei der Bedienung der Geräte gewöhnungsbedürfig, da ein Vorschaubild einen gefühlten Meter horizontal in die Mitte des Monitors gezogen werden muß, um ein Video zu starten. Trotzdem folgten die Sender bei der Anschaffung der Geräte dem Siegeszug der Tochscreen-Technologie, der spätestens nach der Einführung des iPhones 2007 und des iPads 2010 begonnen hat.

In diesem Zusammenhang möchte ich an die rasante Entwicklungsgeschichte von Monitoren erinnern. Die erste Generation der PC Monitore für den privaten Gebrauch in den 80er Jahren hatte eine Bildschirmdiagonale von 13 oder sogar 14 Zoll, basierte wie Fernsehen auf der Röhrentechnologie, mit den entsprechenden Abmessungen, war alles andere als stromsparend, flimmerfrei oder strahlungsarm, dafür aber schwarz weiß. Kommilitonen klagten bei dem Verfassen ihrer Studienarbeiten nicht selten über Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, was nicht unbedingt auf studienfremde Aktivitäten zurückzuführen sein mußte. Das gängige Betriebssystem DOS war nicht grafisch sondern kryptisch. Zur Bedienung der PCs waren Programmierkenntnisse erforderlich.

In den darauf folgenden Jahren wurden die Monitore inklusive der integrierten Grafikstandards stetig optimiert und vergrößert. Mitte der 90er Jahre erfolgte der Durchbruch von Windows als grafischem Betriebssystem, die Maus eroberte sich ihren Platz auf den Schreibtischen. Die rasante Entwicklung des WWW, als graphische Oberfläche und Weiterentwicklung des bisher kryptischen Internets, in den späten 90er Jahren, führte zu einem Boom der gesamten IT- und anderen Industrien.

Nach der Jahrtausendwende hielten dann Flachbildschirme ihren Einzug in Büros und Arbeitszimmer. Das Bild wurde nicht mehr über einen Kathodenstrahl erzeugt, sondern über Flüssigkeitskristalle (LCD). Die ersten Kristalle reagierten noch eher langsam und führten je nach Variante sogar zu Schlieren auf dem Monitor. Erst seit der Entwicklung der LED-Technologie hatten die Monitore ein gestochen scharfes Bild, sind komplett flimmerfrei, emittieren keine Strahlen und wurden immer dünner. Weiterhin sind die Bildschirmgrößen fast frei skalierbar.

Die derzeitige Kombination der weit entwickelten Monitore mit diversen Touchtechnologien, die bei einfachen elektrischen Geräten in schlichteren Varianten bereits vor den ersten PCs angewendet wurden, ist somit eine konsequente Entwicklung und Vereinfachung der Nutzerführung. Als Ergebnis werden nach Mobiltelefonen und Media-Tablets berührungssensitive Monitore auch verstärkt in Netbooks, Tablet PCs, vollwertige All-in-One-PCs und generell statt klassicher Bildschirme eingesetzt. Die Prognosen der zukünftigen Marktentwicklung sind beeindruckend. Sicherlich werden Touchtechnologien die Tastatur jedoch nicht verdrängen können, da diese klar im Nachteil ist, wenn um das Schreiben längerer Texte geht. Maus, Trackball und Touchpad dürften jedoch Auslaufmodelle sein.

Die Nachteile berührungssensitiver Bildschirmtechnologien liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand. Sie bestehen im schnellen Zerkratzen und Verschmutzen des Displays. Deshalb wurden diese von der Presse vereinzelt auch als Displays für Nutzer mit Putzfimmel bezeichnet. Die Zukunft wird daher in der Gesten-, Mimik- und Sprachsteuerung von Computern liegen, an der bereits mit Hochdruck gearbeitet wird. Vielleicht wird sogar Bill Gates’ Prognose eintreffen, daß Computer morgen mit dem Gehirn steuerbar sein werden. Bei den derzeitigen Fortschritten der Hirnforschung wäre das nicht verwunderlich.

Deshalb bitte ich um Verständnis, wenn mich die Verrenkungen der Herren Beckmann & Co. zur Steuerung des Großmonitors bei der Analyse von Fußballspielen amüsieren, vor allem, wenn die neue Technik nicht das macht, was sie eigentlich soll.

Weiterführende Informationen:

Erster Einsatz der neuen Touchscreens im Morgenmagazin

Entwicklung der Touchtechnologien

Prognose der Marktentwicklung für PCs und Tablets

Aktuelle Entwicklungen auf dem Markt für Tablets

Von der Maus- zur emotionalen Steuerung

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s