Geschlechter, Tellerränder und Caravaggio

Veröffentlicht: 29. September 2012 in Uncategorized

Caravaggio, Der ungläubige Thomas

Caravaggio, Der ungläubige Thomas

Nachdem ich jetzt längere Zeit nicht gebloggt habe, möchte ich das heute tun, um einige meiner Gedanken der letzten Zeit zu strukturieren und mitzuteilen. Nach meinem ausgiebigen sportlichen Einsatz in den ersten Monaten dieses Jahres, hatte ich Mitte August plötzlich Schmerzen am rechten Bein bekommen, die mich etwas gebremst haben. Da der Schmerz unregelmäßig und diffus war, über längere Zeit anhielt, und ich mich aber trotzdem irgendwie fortbewegen konnte, habe ich auf einen Arztbesuch verzichtet. Also habe ich beschlossen abzuwarten und mein Lernpensum etwas zu erhöhen.

In den letzten Monaten hatte ich unter anderem einiges über Lerntheorien gelesen, die ich abwechselnd ausprobieren wollte. Einmal das lineare strukturierte Lernen mit Büchern, andererseits das nicht-lineare spielerische Lernen. Also habe ich mein altes Diplomarbeitsthema reaktiviert. Es ging darum, warum der Mensch sich so verhält, wie er sich verhält, und wie man das systematisieren und messen kann. Ein sehr breites und interdisziplinäres Thema, also gut zum Üben beider Konzepte. Angefangen habe ich damit, alte Bücher nochmal zu lesen und zusammenzufassen. Die Manuskripte habe ich dann eingescannt, auf Pinterest gepostet, und mit Twitter und Facebook verknüpft. Könnte ja sein, daß ein historischer Schnellüberblick über die Materie für jemand nützlich ist. Dann habe ich ein paar Infografiken erstellt, um die elektronische Visualisierung zu üben, und das Gelernte anzuwenden. Dafür mußte ich natürlich erstmal Tools recherchieren. Aufgrund der Kritik der damaligen Autoren aller Fachbereiche an den Ergebnissen und Verfahren, sowie des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts, hat sich in der Materie in den letzten Jahren natürlich sehr viel getan. Also habe ich angefangen mir Teilbereiche genauer anzuschauen, und diese zu aktualisieren. Teilweise wieder linear strukturiert, also mit Büchern, und teilweise spielerisch nicht-linear. In dem Bereich, in dem ich mich am wenigsten auskannte, und in dem es vielleicht die größten Fortschritte gibt, der Neurologie, habe ich angefangen einigen Quellen auf Twitter zu folgen. Da ich die Inhalte natürlich nicht verstand, habe ich den entsprechenden Hintergrund über Google recherchiert und Pearltrees angelegt, um das zu strukturieren.

Bei den linearen Verfahren ist man natürlich irgendwann an der Grenze der Aufnahmefähigkeit. Außerdem wird das passive Lesen ab einem bestimmten Punkt langweilig und monoton. Wenn man dann spielerisch weiter macht, erhöht sich der Spaßfaktor und die Motivation. Man muß dabei natürlich aufpassen, daß man sich in dem Labyrinth nicht verläuft. Wenn man dieses Gefühl hat, muß man eben wieder zurück in die Linearität. Inzwischen sitze ich morgens eigentlich nur noch da, und denke oder male Skizzen, um meine Erkenntnisse aus allen Quellen zu wiederholen und irgendwie zu verknüpfen. Diese ändern sich natürlich jeden Tag, da Neues dazu kommt, oder bestehendes Wissen oder Interpretationen modifiziert werden. Nachmittags nehme ich ein paar weitere Informationen auf. Dann schaue ich mir ab und zu Menschen an, und überlege mir ob gerade primär Basalganglien, Amygdala, Präfrontaler Cortex, Hippocampus oder was auch immer am Werk sind, warum, und wie die interagieren, mit welchem Ergebnis. Eine für mich ziemlich neue Erfahrung, wobei ich mich natürlich auch selbst therapieren muß. Dabei ereignen sich merkwürdige Dinge.

Gestern hatte ich eine Nachricht zum Thema geschlechterspezifische Funktionsunterschiede der visuellen Cortex über Twitter bekommen. Die visuelle Cortex hatte ich noch nicht. Also habe ich nachgeschaut, wie die funktioniert, einen Pearltree angelegt und ein bisschen gegoogelt. Dabei habe ich als erstes einen Artikel über Dyslexie gefunden, die mit der visuellen Cortex zusammenhängt. Zufrieden mit dem Gelernten, habe ich mir dann überlegt mal etwas Neues zu machen, wo anders essen zu gehen als sonst, und bin Richtung Weyertal gelaufen. Dort bin ich in ein Restaurant, das nach gutbürgerlicher Metzgerei aussah. Nach dem Essen wurde mir erzählt, daß es sich hierbei um einen Inklusionsbetrieb handle. Da viele Menschen mit Dyslexie dort beschäftigt sind, arbeitet man dort mit Farben auf der Karte, den Tellern und an der Kasse. Wunderbar, habe ich gerade noch gelesen, warum das so ist. Dann bin ich zum Albertus Magnus Platz und habe Kaffee getrunken. Dort waren Leute mit Language Music Cognition Badges. Verstehe, Wernicke hinten, Aufnahme, Broca vorne, bei PFC, Syntax und Formung. Hatte ich auch irgendwann diese Woche. Dann kamen viele Menschen. Alle ziemlich gut gekleidet, und sind ins Hauptgebäude der Universität geströmt. Hab mir dann gedacht, da ist bestimmt was mit Wirtschaft und bin einfach mal hinterher gelaufen. Es war die Abschiedsvorlesung von Professor Erdmann, Lehrstuhl für innere Medizin und Gründer des Herzzentrums. Die Laudatoren würdigten zunächst insbesondere seine Verdienste um die Integration von Forschung, Lehre und Klinik sowie sein großes fachspezifisches aber auch -übergreifendes Engagement. Er selbst nutzte Caravaggios unbläubigen Thomas als Metapher für sein Wirken, da er das ständige Hinterfragen von angewandten Methoden, herrschenden Meinungen, aktueller Entwicklungen und politischer Entscheidungen als wesentlichste Faktoren seines Erfolges beschrieb. Hinzu kommt die Sicherstellung einer breiten Wissensbasis und der fortwährende und intensive fachliche Austausch, insbesondere zur Integration neuer Erkenntnisse. Hierzu nannte er einige Beispiele, die ich auch halbwegs verstanden habe. Er wirkte auf mich dabei sehr ruhig, dennoch etwas rebellisch und spitzbübig, also sehr angenehm, mit der großen Gabe, Zugänge nicht nur über Kardiokatheder herzustellen. Etwas emotionaler wurde er bei politischen Themen wie Positivliste und Telemedizin. Am Beispiel der Positivliste rügte er die oft mangelnde (wissenschaftliche) Prüfung von Zusammenhängen. Bei der Telemedizin äußerte er Bedenken aufgrund der Technologisierung der Behandlung, da ein Mensch medizinisch ganzheitlich gesehen, gehört und “begriffen” werden muß.

Sicherlich ist die Medizin in einigen zentralen Faktoren schon weiter als die Betriebswirtschaft. Die Integration von Forschung, Lehre und Praxis scheint besser zu funktionieren, ebenso das ständige Lernen, Hinterfragen und die übergreifende Kooperation, auch das zeitkritische Handeln. Ein Arzt kann hierzulande keine Modelle aus 1898 einsetzen, wie das im Marketing mit AIDA noch oft gemacht wird, da es einfacher ist. Ebenso kann er seine Patienten nicht nur technologisch behandeln, was in der Betriebswirtschaft inzwischen auch oft gemacht wird, weil es Kosten spart, aber eventuell langfristig die Sterblichkeit erhöht. Wäre zu wünschen, daß sich die Spieltheoretiker in Wirtschaft und Gesellschaft doch noch durchsetzen, und ein bisschen mehr kooperiert, dafür weniger gekämpft und polarisiert wird.

Danach gab es noch ein bisschen Sixpack. Geschlafen habe ich gut. Thalamus funktioniert. Soweit zum Status meines “aufgezinsten Hippocampus” würde wohl Eagleman sagen. Nach Kahneman ertrage ich das Chaos zuversichtlich. Der Schmerz in meinem Bein ist übrigens fast weg. Basalganglien sagen: Erstmal ein bisschen bewegen. Langsam und schnell.

Vergangenen Freitag habe ich an einer Informationsveranstaltung diverser entwicklungspolitisch tätiger Organisationen teilgenommen: “Engagement fairbindet“. Zur Verarbeitung der vielen Eindrücke und Gedanken hier ein paar Zeilen dazu. Wie viele Menschen befasse ich mich derzeit verstärkt mit internationalen, ökonomischen und sozialen Themen und Zusammenhängen. Aus diesem Grunde  folge ich unter anderem auch diversen Einrichtungen aus diesen Bereichen auf sozialen Medien. Über Facebook habe ich von der Veranstaltung erfahren, und mich spontan registriert. Auf den ersten Eindruck war ich überwältigt von der Vielzahl der Organisationen, die auf diesem Gebiet tätig sind: Staatliche Einrichtungen verschiedener Ebenen, politische und private Stiftungen, Verbände, Medien, die freie Wirtschaft und private Initiativen. Die 50 Aussteller präsentierten sich und ihre Projekte auf einem Parcours, der 12 thematische Schwerpunktzelte und eine Veranstaltungsbühne verband.

Nach der Akkreditierung in das Anwesen, das mir aus meiner Jugend noch bestens als Kanzleramt bekannt ist, erreichte ich als erstes das Zelt “Kochen”. Dieses jedoch zugegebenermaßen nur deshalb, da ich das Zelt des Mittelstandes auf dem Weg dorthin etwas zu langweilig fand, und deshalb ignorierte. Dort wurden exotische Gerichte zubereitet, und mit den Informationen garniert, um die es eigentlich ging. Ein Drittel der Weltbevölkerung besitzt keinen effizienten Kochherd sondern nur über gesundheitlich und ökologisch bedenkliche Feuerstellen. Ungefähr genauso viele verfügen über keine ausreichende Sanitärversorgung. 850 Millionen Menschen verfügen über kein sauberes Trinkwasser. Andererseits werden zur Herstellung einer Tasse Kaffee 150 Liter Trinkwasser benötigt. Auf dem Stand wurden dann Möglichkeiten präsentiert das Kochen weniger gesundheits- und umweltschädlich zu gestalten und trotzdem einfach zu halten. Die Kochtöpfe mit Sonnenreflektoren beispielsweise erinnerten mich etwas an Satelliten, und sind wohl ebenso effizient.

Im nächsten Zelt, das ich besuchte, präsentierten die Veranstalter Menschen, die über ihre Erfahrungen aus der Entwicklungspolitik sprachen. Während meiner Anwesenheit erzählte ein ehemaliger Entwicklungshelfer in Nepal über seinen Einsatz dort, und seinen weiteren Lebensweg bei der GIZ, die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Unternehmen initiiert und fördert. Im nächsten Zelt waren die Einrichtungen zur Förderung des Wissensaustausches gebündelt. Ich nahm an einem Test Teil, der an die Fernsehsendung “Risiko” mit Wim Thölke angelehnt war, und erzielte Null Punkte gegen ein Pärchen als Gegenspieler, das zufälligerweise eine Frage richtig beantwortete. Die Regeln waren jedoch sehr streng. Bei Schätzfragen mußte man beispielsweise die exakte Antwort wissen. Zum Beispiel: “In wie vielen Ländern wurde die Hochzeit von William und Kate übertragen”? Das hatte ich zwar des Öfteren gelesen, mir wollte aber die genaue Zahl nicht einfallen. Weiter zum nächsten Zelt mit dem Schwerpunkt “Partner Afrika”. Dort fand ich die Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) am interessantesten. Diese hatte ich vorher noch nie gesehen, kurz überflogen und eine mitgenommen. Im Zelt der Wirtschaft konnte ich spontan am meisten mit dem Stand der Industrie- und Handelskammern anfangen. Das lag vielleicht auch daran, daß mir deren internationales Netzwerk zumindest schon ansatzweise bekannt war, und ich vermute, daß deren Infrastruktur noch zu wenig genutzt wird. Zumindest ist die Bibiliothek in der Kölner Niederlassung meistens leer, obwohl sie wahrscheinlich zu vielen Themen die aktuellsten Bücher hat, und am besten klimatisiert ist. Weiter zum Pavillon der Zivilgesellschaft. Dort wurden für mich zunächst unzählige Möglichkeiten für Einzelne vorgestellt, sich beruflich und privat zu engagieren, temporär und dauerhaft.

Die Stiftungen im Zelt gegenüber boten eine Vielzahl von Publikationen zu unterschiedlichsten Fragestellungen, unter Betrachtung aus den verschiedenen politischen Blickwinkeln. Auch hier gab es für mich Einsichten, die mir bisher noch nie in derartig aufbereiteter und zusammenhängender Weise präsentiert wurden. Der tagtägliche Schlagabtausch konzentriert sich ja vorwiegend auf Detailthemen, aus denen man sich als Durchschnittsbürger in der Regel selbst ein Gesamtbild verfasst, sofern man noch in der Lage ist, die Vielzahl der Informationen noch zu strukturieren und zu integrieren. Auf der Side Event Bühne berichtete Wolfgang Niedecken von seinen Erfahrungen aus Afrika. Hatte ich schon mal gelesen, also weiter zu den Medien.

Im Zelt der Deutschen Welle fand gerade ein Panel statt, das sich mit der veränderten Kommunikation im Zeitalter sozialer Medien befasste. Die Vertreterin einer Hilfsorganisation äußerte sich skeptisch aufgrund der erhöhten Arbeitsintensität und Dynamik, zunehmender Rechenschaftserfordernisse und der geringeren Kontrolle über die verbreiteten Informationen. Zudem stellte sie einen Zusammenhang des digitalen Engagements mit tatsächlichem Engagement in Frage. Ein Markenberater konterte mit Reichweite, TKPs, Funnels und CPOs. Der Dritte im Bunde ein Filmemacher aus dem arabischen Raum argumentierte mit dem zunehmenden Gewissen und der Verantwortung der Bevölkerung durch soziale Medien. Es gab keine Fragen an die Panelisten. Auf einer Photowand konnte man sich durch Vervollständigung des Satzes “Die Welt wäre besser wenn …” integrieren. Es gab schon sehr viele Antworten, und mein Gehirn war gerade nur im Aufnahmemodus. Aus diesem Grunde habe ich auf eine Beteiligung verzichtet. Vielleicht würde mir ja heute etwas einfallen. Apropos Aufnahmemodus. Als ich es endlich zu den frischen Erdbeeren geschafft hatte, gab es keine mehr. Also Bratwurst. Die DW Volontäre liefen mit Kameras, Mikrophonen und Handys durch die Gegend, und arbeiteten fröhlich an ihrem Blog.

Auf der Hauptbühne stellten die Bundesminister Niebel und Westerwelle das neue Logo für deutsche Entwicklungszusammenarbeit vor. Hintergrund ist, daß seit Jahrzehnten über einen gemeinsamen Aussenauftritt deutscher Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit diskutiert wird, aber erst jetzt realisiert werden konnte. Die Priorität erhielt das Projekt durch mehrere Faktoren:  Erstens, befinden sich die einzelnen Organisationen ja auch im Wettbewerb zueinander, was deren Kommunikation untereinander wohl häufig erschwert, um es moderat auszudrücken. Ein gemeinsamer Aussenauftritt soll kooperationsfördernd wirken und die Kohäsion erhöhen. Zweitens, berichtete Niebel von Afrikareisen bei dem ihm höheres deutsches Engagement angeboten wurde, wo es bereits hohes deutsches Engagement gab. Dieses war nur nicht sichtbar, da lediglich die Organisation in Erscheinung trat. Auch hier soll sich ein gemeinsamer grafischer Auftritt hilfreich erweisen. Drittens, soll das Engagement von Privatpersonen und der Wirtschaft erhöht werden, was mit einer “Dachmarkenstrategie” im ersten Schritt größere Impulse erhalten dürfte, als durch die unzähligen budgetarmen Maßnahmen rivalisierender Organisationen, mit wahrscheinlich suboptimalem Gesamtergebnis. Zur weiteren Erhöhung der Präsenz des Themas in der Bevölkerung, soll die Veranstaltung nächstes Jahr am selben Tag in 50 deutschen Städten durchgeführt werden, und eine umfangreichere Beteiligung der Medien erfolgen. Zur weiteren Priorisierung, sicherlich auch aufgrund der Dynamik der globalen Entwicklung und der veränderten Rahmenbedingungen, wurde ein Innovationsbeirat gegründet, der sich laufend mit neuen Denkansätzen befassen soll. Der für die Veranstaltung zuständige Staatssekretär, der irgendwie auf allen Hochzeiten des Tages tanzen mußte, merkte im weiteren Verlauf etwas angestrengt an, daß die Reformwut des Ministers weiterhin ungebrochen sei. Vielleicht hätte ich an seiner Stelle auch nicht von Innovationsfreude gesprochen.

Zeit für eine Pause im Foyer des BMZ. Dort war eine Ausstellung von selbst gebasteltem Spielzeug von afrikanischen Kindern zu sehen, das aus Müll erstellt wurde. Auf den Erläuterungstafeln waren Dinge wie “Kongo eines der rohstoffreichsten Ländern Afrikas ist auch eines der ärmsten. Erste freie Wahlen fanden 2006 statt. Das Durchschnittseinkommen beträgt 160 Dollar pro Jahr”. Die Kombination dieser Müllspielzeuge, der Schilderung der politischen und wirtschaftlichen Zustände in diesen Ländern, mit dem Labyrinth aus Gängen des ehemaligen Kanzleramts löste in mir intensive Orientierungsreflexe aus. Eine ältere Dame meinte, daß man die Kinder hier öfter diesen Situationen aussetzen sollte, um eine Relativierung zu erreichen, beklagte sich aber gleichzeitig über Müllimporte aus Indien nach Deutschland, die wohl derzeit diskutiert werden. Ich entgegnete mit der Innenarchitektur des Gebäudes und deren Wirkung auf das menschliche Gehirn. Worauf sie wieder mit der zunehmenden Individualisierung konterte.  Wir einigten uns darauf einen Mittelweg zwischen Betroffenheit und Gleichgültigkeit anzustreben, und ein gemeinsames Buch zu schreiben, falls wir uns nochmal begegnen sollten.

Auf der Hauptbühne stand veränderte Kommunikation im digitalen Zeitalter auf dem Programm, was ich mir anhören wollte. Offenbar wurde aber kurzfristig mit dem Fashion Panel getauscht. Hier ging es primär um fairen Handel und Mode, was ich nicht so spannend fand. Danach gab es Women Empowerment mit Rita Süßmut. Sie hat wohl vieles nicht nur zu diesem Thema, ziemlich genau auf den Punkt gebracht. Besonders am Herzen lag ihr das duale Ausbildungssystem, das sich wohl inzwischen weltweit als Exportschlager herausstellt, und die viel zu wenig erschlossenen Potenziale der Wirtschaft im Rahmen der sich immer mehr von der Entwicklungshilfe zur Entwicklungszusammenarbeit geprägten Situation, mit erst zu erahnenden weiteren Konsequenzen. Mein Informationsbedarf war zunächst gedeckt, und ich begab mich den Rhein entlang zurück zum Bahnhof. Es waren viele Jogger unterwegs. Und nach ein paar Metern stellte ich fest, daß Straßenschuhe einfach unpraktisch und unbequem sind, habe es dann aber doch irgendwie damit zum Zug geschafft. Sicherlich noch sehr viel zu tun, für alle, auch mental. Sage ich jetzt mal so einfach kurz vor der EM.

Plakate, Schlösser und der Aussenhandel

Veröffentlicht: 30. April 2012 in Uncategorized

In letzter Zeit fiel mir verstärkt auf, daß Plakate einen nicht unwesentlichen Teil meiner Aufmerksamkeit binden. Zum einen liegt das sicherlich daran, daß ich mich viel mit freiem Kopf durch Städte bewege, zum anderen, daß diese nicht so kumuliert auftreten, wie andere Werbemittel. Man sieht eines, macht sich im Weitergehen Gedanken, oder auch nicht, und ein paar Minuten später kommt das nächste. Die im Gehirn hinterlassenen Spuren können unterschiedlichster Art und Konsequenz sein.

Vor zwei Wochen habe ich zum ersten Mal die Direktabgeordnete meines Wahlkreises im Landtag gesehen. Sie hat ihre Plakate aufgehängt. Als erste in der Stadt. Fand ich unabhängig ihrer politischen Gesinnung gut, und bin ihr prompt auf Facebook gefolgt. Seitdem interagiere ich mal mehr mal weniger mit ihr. Vor einer Woche ist mir in Zürich ein Plakat aufgefallen, das mir irgendwie nicht aus dem Kopf ging. Zu Hause habe ich dann über Google nach Absender (hatte ich vergessen) und Kampagne recherchiert und über Facebook diverse Anfragen gestellt, um mehr darüber zu erfahren. Es handelte sich um die neue Positionierung von Emirates. Gestern habe ich mein Lauftraining um ein paar Kilometer verlängert, nur um zu überprüfen, ob Lindner auf dem Energieplakat am Militärring so einen leicht diabolischen Gesichtsausdruck hat, wie er mir nach dem flüchtigen Erstkontakt in Erinnerung blieb. Habe mir dann überlegt, mich mehr mit diesen Phänomenen zu befassen, dann aber ein Blog gefunden, das sich in wunderbarer Weise mit diesen Themen beschäftigt: Campaignwatchers. Es handelt sich um ein Blog der Universität Hohenheim (s. Kommentar unten). Also werde ich mich auf das Lesen und eventuelles Kommentieren und Anmerken beschränken, sofern es mir gestattet ist. Das Thema Lindner mit und ohne Trenchcoat wäre mir zum Beispiel völlig entgangen.

Auch bei Hohenheim musste ich etwas schmunzeln. Dort habe ich die erste Seminararbeit meines Studiums geschrieben. Ein schönes Schlösschen auf den Hügeln von Stuttgart. Hatte mich dort zwar nach dem Abitur um ein BWL-Studium beworben, die ZVS hatte mich dann aber nach Bayreuth verschickt. Eine Maßnahme mit der ich rückblickend aber nicht unglücklich war. Vor allem da manche frühere Freunde bis heute den Absprung aus heimatlichen Gefilden nicht geschafft haben. Nichts desto Trotz habe ich meine erste Seminararbeit in der schönen Schlossbibliothek von Hohenheim verfasst, und mich von Mutter durchfüttern lassen. Damals mußte man nämlich Arbeiten noch in Bibliotheken verfassen bzw. recherchieren, da es das Internet noch nicht gab, nur Microfiches. Von daher hatten Universitäten im Grünen zwecks Entspannung der Augen große Vorteile. Der Titel des literarischen Werkes war “Ordnungspolitische Rahmen des Außenhandels”. Erhalten habe ich ein für mich unbefriedigendes “befriedigend”. Die Begründung dafür lag in der wohl etwas zu “sozialromantischen” Darstellung. Wahrscheinlich hatte rückblickend auch hier der betreuende Professor Egon Görgens nicht ganz unrecht.

Dafür habe ich dann ein paar Jahre später in der Diplomklausur im selben Fach mit dem Thema “Mögliche Effekte bei der Fusion von Zahlungsbilanzen am Beispiel der deutschen Einheit” die beste Arbeit geschrieben. Das lag daran, daß ich ein paar Tage vorher komischerweise davon geträumt, das ernst genommen, und mich darauf vorberietet habe. Hätte sonst nicht gewußt auf was, bei der Menge an Inhalten in einem allgemeinen Fach. Ein klarer Wettbewerbsvorteil. Gleicht sich ja vielleicht doch alles irgendwie aus. Man weiß es nicht. Nicht wahr Herr Görgens.

München, Dresden, Königsforst, Zürich

Veröffentlicht: 25. April 2012 in Uncategorized
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Nachdem ich vergangenen Sonntag meinen ersten Marathon unter 4 Stunden gelaufen bin, möchte ich nun kurz die Gelegenheit ergreifen, die Stationen dorthin zu beschreiben. Angefangen hat alles mit dem Kauf eines gebrauchten iPhone 3G 8GB am 15. August 2011 für 100 Euro, das ich bei Kalaydo entdeckt hatte. Die Telekom hatte freundlicherweise der Vorbesitzerin, einer Medizinstudentin, kostenfrei das Nachfolgemodell vor Ende der Vertragslaufzeit angeboten, worauf sie einwilligte, da sie von schwarz auf weiß umsteigen wollte.

Nach einem kurzen Überblick der Funktionen, habe ich mich entschieden, mich verstärkt mit Sport Apps zu befassen, um meine Motivation in diesem Bereich zu erhöhen. Ich startete mit der Laufcommunity Nike+, über die ich kurz zuvor gelesen hatte. Meinen ersten Testlauf tätigte ich am 24. August 2011. Für 4,2 Kilometer brauchte ich 31,13 Minuten, danach war ich platt, was mir deutliche Verbesserungspotenziale signalisierte. Ich merkte jedoch schnell, daß Fortschritte beim Laufen deutlich zügiger möglich sind, als bei anderen Sportarten, wenn man nur konsequent dabei bleibt. Zumindest am Anfang. An meinem 5. Trainingstag, konnte ich bereits einen Halbmarathon in 2.26 Stunden absolvieren, obwohl ich die letzten Kilometer gegangen bin.

Also meldete ich mich für meinen ersten sportlichen Wettkampf in dieser Sportart an, die halbe Strecke beim Köln Marathon, der am 3. Oktober 2011 stattfand. Getragen von den Massen, schaffte ich diesen in knapp zwei Stunden. Begeistert von diesem Ergebnis und den schnellen Erfolgen, registrierte ich mich spontan für die gesamte Strecke beim München Marathon eine Woche später. Besonderen Anreiz stellte der Abschnitt durch den Englischen Garten und der Zieleinlauf im Olympiastadion dar. Der Halbmarathon ging nicht durch den Englischen Garten, schied also deshalb aus. Auf der Marathon Messe am Tag davor nahm ich an der Verlosung eines Startplatzes für den Zürich Marathon teil, und habe prompt einen gewonnen. Ich habe die Stadt aber auch in den Himmel gelobt, um ehrlich zu sein. Vielleicht auch nicht ganz zu unrecht. Aber lassen wir das. Die ersten 25 Kilometer in München liefen problemlos, danach mußte ich zwischen laufen und gehen abwechseln. Trotzdem torkelte ich nach dem ersehnten Einmarsch ins Olympiastadion durch das große Marathontor zu den Klängen von Herrn Guetta mit anschließender Ehrenrunde nach 4.57 Stunden durchs Ziel.

Wie im Rausch beschloss ich, dieses Ergebnis zügig zu optimieren, und meldete mich spontan für den Dresden Marathon am 23. Oktober 2011 an. Nach einem viel zu schnellen Start, konnte ich mich nach 30 Kilometern an den Pacemaker für 4.30 Stunden hängen, der uns die letzten Kilometer wunderbar motivierte und in dieser Zeit zum Ziel pushte. Mit der Verbesserung um 30 Minuten vom ersten zum zweiten Marathon innerhalb von zwei Wochen, war ich natürlich sehr zufrieden. Gekrönt wurde der Erfolg durch eine Doppelmassage für die Finisher, die mir sehr gut bekommen ist. Anfang Dezember nahm ich noch am Kölner Nikolauslauf über 10 km teil, und leitete dann eine Wettkampfpause ein.

Ich nutzte nie einen Trainingsplan, da ich kein bestimmtes Ziel vor Augen hatte, sondern mich für einen spielerischen Einstieg entschied, und erst nach ersten Erfolgen an der weiteren Optimierung arbeiten wollte, falls ich weiterhin Spaß am Laufen haben sollte. Über den Winter habe ich ziemlich konstant und locker weiter trainiert. Dabei habe ich lediglich darauf geachtet, eine wöchentliche Gesamtkilometerzahl zu absolvieren, und auch sonst in Bewegung zu bleiben.

Ende Dezember gab es ein Update bei Nike+, das ich mit meinem veralteten iPhone leider nicht mehr nutzen konnte. Schade, da mir die Motivationssprüche von Dirk Nowitzki und Konsorten gut gefallen haben. Also wechselte ich zu Runtastic. Nachdem ich höheren Akkuverbrauch und schlechteren GPS-Empfang festgestellt habe, bin ich wenige Tage später auf Runkeeper umgestiegen. Zu meinem Geburtstag habe ich mir dann profilaktisch eine Triathlon-Uhr, die Garmin 910XT gewünscht, und bekommen. Die Ergebnisse importiere ich jedoch immernoch in Runkeeper, da dort mehrere Sportarten zu verwalten sind. Im Februar stellte ich fest, daß es Weltranglisten für gelaufene Distanzen mit Runkeeper gibt, falls die Ergebnisse getwittert werden. Also bin ich die ersten März-Wochen möglichst viel gelaufen, um einen möglichst hohen Rang zu erreichen. Ein weiteres Experiment, bei dem ich mich gut auf Platz 4 halten konnte, was mir weiteren Auftrieb gab.

Die Wettkampfsaison 2012 leitete ich am 17. März mit dem Halbmarathon beim Rodenkirchener Volkslauf im Kölner Forstbotanischen Garten ein. Eine eher ruhige und gute Vorbereitungsveranstaltung für größere Wettkämpfe. Hierfür brauchte ich nur noch 1.47 Stunden. Kurz darauf kaufte ich mir ein Skateboard, um mein Sportprogramm um Balanceübungen zu ergänzen. Naturgemäß stürzte ich bei meinen ersten Skateversuchen des Öfteren, wodurch ich mir zwar keine Brüche zuzog, mein Lauftraining jedoch aufgrund von Zerrungen erschwert wurde. Eine Woche später absolvierte ich dann trotzdem den ersten Marathon des Jahres im Königsforst. Ein weiterer Waldlauf, bei dem ich die Dresdner Zeit ein paar Minuten verbessern konnte. Danach musste ich jedoch mit dem Laufen pausieren. Beim verstärkten Gerätetraining zog ich mir dann eine Ellenbogenentzündung zu, die mich die ersten Tage komplett ausknockte. Pünktlich zur Vorbereitung auf Zürich waren meine Blessuren dann abgeklungen, und ich orientierte mich erstmalig grob an einem Trainingsplan. Von den zahlreichen Varianten wählte ich eine, die meinem Rhythmus am ehesten entsprach. Zürich am 22. April 2012 war dann der erste Marathon, den ich komplett auch ohne kurze Gehpausen durchgelaufen bin. Das Ziel durchtanzte ich mehr oder weniger in 3.51 Stunden. Dabei hatte ich sogar das Gefühl nicht alles gegeben zu haben, und hatte am Tag später erstmalig keine Beeinträchtigungen. Ob das ein Trainingserfolg war, an der Gewöhnung des Körpers an die Extremsituationen, dem Streckenverlauf, der Witterung oder der Tagesform lag, bzw. aus welcher Kombination aus allem, weiß ich natürlich nicht.

Wie geht es jetzt weiter? Im Moment freue ich mich, und bin dankbar, daß ich zu dieser Entwicklung in einem guten halben Jahr fähig war, die wahrscheinlich nicht selbstverständlich ist. Offenbar hatte ich in meinem bisherigen Leben einige Potenziale übersehen. Das kommt wahrscheinlich öfter vor. Natürlich würde ich diese gerne weiter ausbauen, ohne stoisch zu werden. Zunächst plane ich mindestens drei Laufeinheiten pro Woche, an die ich mich versuche konsequent zu halten: Eine lockere längere Distanz, eine straffe Kurzstrecke und Intervalltraining, flankiert mit kurzem Krafttraining oder Kursen im Studio an den lauffreien Tagen, zusätzlich regelmässig schwimmen, radfahren, und was ganz Neues anfangen, zum Beispiel boxen. Schauen wir mal.

Geeks, Araber und Ostereier

Veröffentlicht: 7. April 2012 in Uncategorized

Was weiter geschah. Der Geek freute sich über meine Aufregung. Schließlich hatte er die Reparatur meines MacBooks schnell und günstig vor Ort zugesagt. Mit Verweis auf interne Dienstvorschriften veranlasste der Eiskunstläufer jedoch eine Übersendung des Gerätes nach Regensburg, von wo ich einen Tag später einen Kostenvoranschlag im knapp vierstelligen Bereich erhielt. Neben der Fehlerbehebung waren noch diverse Schönheitsreparaturen enthalten. Beim erneuten Besuch des Etablissements, bei dem ich meinen Protest zum Ausdruck brachte, gab mir der Eiskunstläufer zu verstehen, daß ihm der Kostenvoranschlag nicht vorläge, und bot mir an, einen Tag später den Sachverhalt mit dem Geek zu besprechen. Ich forderte dann die unreparierte Rücksendung des Gerätes an, die innerhalb eines Tages stattfinden sollte, sich dann jedoch über mehrere Tage hinzog. Die Verkaufskanone verwies mich bei Unzufriedenheitsäusserungen an ein Callcenter. Der Herr aus Dubai, der neben mir stand und ein ähnliches Problem hatte, stellte gelassen fest, daß die Abhängigkeit von den neuen Technologien einfach zu groß sei, und schilderte mir eindrucksvolle Datenverluste. Im Studio war ein ernsthaft wirkendes Grüppchen stämmiger Russen mit Bauch Intensiv beschäftigt. Dabei diskutierten sie angeregt den Sachverhalt, daß manche Menschen alles machen und andere gar nichts. доброе утро. Die weitere Analyse der Ursachen, Wirkungen sowie die Ausarbeitung von Verbesserungsvorschlägen entging mir jedoch, da ich meine Übungen beendet hatte. Nebenan trainierte der immer gut gelaunte Türke, der aus Angst vor Vergewaltigungen ungern durch Wälder läuft, ältere Herren. Könnte aber auch sein, daß es sich um gegenseitige Therapieversuche handelte, was mir verschlossen blieb. Schlafen. Am nächsten Tag stellte ich dann fest, daß meine Oberschenkelzerrung, die ich mir vor einer guten Woche bei Skateversuchen zugezogen hatte, am abklingen war. Also entschied ich mich für einen längeren Dauerlauf. Bei dem Sprint über eine Brücke himmelte mich ein kleiner Junge mit Fahrrad an. Habe mir dann kurzzeitig überlegt, ihn aus motivationstechnischen Gründen mitzunehmen, was ich jedoch unterlassen habe, da Erwachsene in Sichtweite waren. Die Araber beim Pastaessen hatten Spaß, keine Ahnung warum, da ich die Sprache nicht verstehe, war jedoch ein weiterer Stimmungsaufheller. Die deutsche Großfamilie beriet sich, den Tag in einem größeren Brauhaus vor Ort ausklingen zu lassen, obwohl dieses von Zeugen Jehovas unterwandert sei. Entschied sich deshalb jedoch dagegen. Im Studio dann Gallileo Big Pictures angeschaut, und dabei festgestellt, daß plötzlich an meinem rechten Ellenbogen ein ziemlich schmerzhaftes Osterei gewachsen ist. Als medizinisches Naturtalent diagnostizierte ich den Austritt toxischer Substanzen aus dem Ellbogengelenk, die sich in dessen unmittelbarer Nähe entzündeten. Ich führte das auf mein intensiviertes Bizeps Training zurück. Vom Aufstechen des Eies und Beobachten der sich daraus ergebenden Farbspiele habe ich abgesehen, und mir stattdessen Tabletten mit hoher Schwermetalldosis verordnet. Eine Nebenwirkung besteht aus neongelbem Urin. Habe mir dann überlegt, daß eine Beimischung von Substanzen, die zu einer Fluoreszierung des Strahls beitragen, den nächtlichen Energieverbrauch reduzieren könnten. Mein unrepariertes MacBook habe ich übrigens heute wieder abgeholt. Manchmal funktioniert es ja. Werde mir nach Ostern weitere Schritte überlegen. Frohes Fest.

Eiskunstläufer, Juweliere und Katzen

Veröffentlicht: 5. April 2012 in Uncategorized

Gestern kam mir der Gedanke, daß ich wieder etwas öfter bloggen könnte. Warum, weiß ich nicht genau. Hier die Ereignisse des Tages. Der gefühlte Eiskunstläufer von Compustore versucht mich gerade in den Wahnsinn zu treiben. Um dem Entgegenzusteuern, habe ich beschlossen, den Fall unter frühzeitiger Demenz einzuordnen, möglichst viel Verständnis für seine Situation aufzubringen, und den Laden künftig einfach zu meiden. In meiner neuen Karriere als Startrader mußte ich erste Rückschläge hinnehmen. Ich dachte, der Goldpreis könnte einfach nicht weiter fallen, konnte er dann aber doch. Ursächlich ist wohl ein Streik der Juweliere in Indien, den ich leider übersehen hatte. Werde in den nächsten Tagen mal beobachten, was passiert, wenn die Friseure in Timbuktu gerade Mittagspause machen.  Dann hab ich eine kleine Runde gedreht und bin Richtung Studio gesteuert. Auf dem Weg dorthin habe ich einen alten Kumpel getroffen, der bereits Jahre in ununterbrochenem Alkoholdilirium verbringt. Verschmähte Liebe. Eine wohl nicht seltene und zu unterschätzende Krankheit, die wohl in keiner Statistik auftaucht, höchstens deren Folgen. Vielleicht schaff ich es, ihn in der nächsten Zeit mal über den Acker zu jagen. Dann bisschen zu viel vorhandenen Bauch und zu wenig vorhandenen Bizeps trainiert. Der Spanier in der Umkleide kam auf die Idee, in dem vollautomatischen Solarium Sprachkurse anzubieten. Das spricht zwar die ganze Zeit, aber nur Sicherheitshinweise auf deutsch. Beim Gute Nacht Kölsch hat mich dann eine Frau andauernd angeschaut, die sich geschminkt hatte, wie eine Katze. Da fiel mir auf, daß das viele tun. Hab mir dann überlegt, ob sie das tun, weil sie das schön finden, oder glauben ihre Zielgruppe tut es, es wirklich tut, oder ob es sich dabei um ein Mißverständnis handelt. Gibt doch eigentlich mehr Tiere. Bin dann ins Bett gegangen. Mal sehen was heute und in den nächsten Tagen so passiert.

Aufgrund der tragischen Ereignisse in Japan mit noch unvorhersehbaren Folgen, stelle ich mir die Frage zur weiteren Entwicklung der menschlichen Zivilisation. Fakt ist, daß wir es seit mehreren Jahren mit einem dramatischen Anstieg der Weltbevölkerung zu tun haben. Während 1804 gerade eine Milliarde Menschen auf der Erde wohnten, waren es 1985 bereits fünf. In den nächsten Monaten wird die sieben Milliarden Hürde überschritten werden. 2010 werden zehn Milliarden Menschen unseren Planeten bewohnen.

Zeitgleich haben wir es mit einer rasant zunehmenden Verstädterung zu tun. 1950 lebten noch 30 Prozent der Menschen in Städten, 2007 waren es bereits 50 Prozent, und 2050 werden es 70 Prozent sein. 1950 war New York City weltweit die einzige Stadt mit über 10 Mio. Einwohnern, heute gibt es bereits über 20.

Alleine in Indien und China werden in den nächsten 20 bis 30 Jahren weitere 250 bzw. 400 Millionen Menschen vom Land in die neuen Megazentren ziehen, um von der florierenden Entwicklung dort zu profitieren.

Die zunehmende Verstädterung stellt die Menschheit dabei also vor große Chancen aber auch Herausforderungen. Sie wirkt sich positiv auf die Durchschnittseinkommen und das wirtschaftliche Wachstum bisher eher ländlich geprägten Menschen, Staaten, aber auch der Weltwirtschaft aus. In Schwellenländern wie China und Indien wird ein Anstieg des Lebensstandards auf westliches Niveau in den nächsten Jahrzehnten erwartet. Die Entwicklung birgt jedoch auch enorme Risiken in der Infrastruktur, Umweltverschmutzung, Armut, Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Ghettoisierung. Derzeit lebt zirka 30 Prozent der weltweiten Stadtbevölkerung, angezogen von den Perspektiven auf ein besseres Leben, in Slums, was etwa einer Milliarde Menschen entspricht.

Die stark zunehmende Erdbevölkerung, Industrialisierung und Urbanisierung hat einen enormen Anstieg des weltweiten Energiebedarfs zur Folge. Bis 2030 wird ein Anstieg um 50 Prozent prognostiziert, bis 2050 wird es zu einer Verdoppelung kommen. Derzeit wird 85 Prozent des weltweiten Energiebedarfs durch fossile Brennstoffe, mit den bekannten Auswirkungen auf die Erderwärmung und den Klimawandel bestritten. Trotz dieser Auswirkungen wird weltweit ein steigender Anteil fossiler Brennstoffe an der Energiegewinnung erwartet.

Eine natürliche Grenze in dieser Entwicklung stellen die Reserven dieser Energieträger dar, die bei derzeitigen Prognosen zwischen 50 und 200 Jahren reichen. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) müßten weltweit pro Jahr 30 neue Kernkraftwerke gebaut werden, und der Einsatz regenerativer Energien stetig ausgebaut werden, um den CO2-Ausstoss bis 2050 zu halbieren. Der Anteil des Atomstroms läge dann wie der aus fossilen Brennstoffen bei 25 Prozent. Erneuerbare Energien könnten demzufolge bis dahin 50 Prozent des Strombedarfs decken. Bis 2030 wäre laut der Mehrheit der Studien bereits ein Anteil der erneuerbaren Energien von 25 Prozent am weltweiten Energiebedarf möglich. Wissenschaftler der Universität Stanford  skizzierten jedoch bereits einen Plan für eine Emissions- und kernkraftfreie Welt ab 2030.

In Deutschland wird derzeit 10 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien gewonnen. Die Prognosen reichen von einem möglichen Anteil von 30 Prozent bis 2015 oder erst bis 2030. Teilweise wird sogar von möglichen Anteilen von 47 Prozent bis 2020 gesprochen. Aufgrund der hohen Bandbreite dieser Prognosen, und um Versorgungslücken auszuschließen, hat sich die Bundesregierung entschlossen einen der niedrigsten Prognosewerte zur Planung der weiteren Energiepolitik anzusetzen.

Die Ereignisse in Japan werden sicherlich die energiepolitischen Entscheidungen weltweit vor folgenden Hintergründen hinterfragen: Inwiefern besteht wo ein vergleichbares Risiko, das mit einem Erdbeben der Stärke 9 von 10 der Richterskala in Kombination mit einem Tsunami vergleichbar ist? Wurden andere Risiken unterschätzt, wie hoch ist deren Eintrittswahrscheinlichkeit, und wie sind die Sicherheitsvorkehrungen dafür? Die daraus resultierende Risikowahrscheinlichkeit ist mit anderen Risikofaktoren bzw. -wahrscheinlichkeiten, denen man im täglichen Leben ausgesetzt ist, zu vergleichen. In einem weiteren Schritt werden sicherlich die zur Verfügung stehenden Studien zur Entwicklung erneuerbarer Energien überprüft werden müssen, und daran gearbeitet werden, die hohe Bandbreite der Ergebnisse in zuverlässige Planungsdaten und Kalkulationen zu verdichten. Zudem wäre ein konstruktiver und sachlicher Austausch auch andersdenkender Parteien und Gruppierungen im Sinne eines optimierten Ergebnisses wünschenswert.

Zum besseren globalen Verständnis wäre die Erhöhung der Transparenz hilfreich. Die Entwicklung eines weltweiten Risikoindex für jedes Kernkraftwerk, in den neben technischen Ausstattungsmerkmalen auch geographische und sonstige Risikofaktoren einfließen und der mit anderen Risiken vergleichbar ist, wäre eine Maßnahme. Ähnliche Indikatoren wären für die Effekte von Kohlekraftwerken zu entwickeln. Darauf aufbauend wären Energie- und Risikoprofile für Länder und Regionen entwickelbar. Weiterhin würde die Konsolidierung der diversen Studien, bzw. eine Verständigung über die zugrundeliegenden Hypothesen zum Einsatz und der Kosten regenerativer Energien die Meinungsbildung erleichtern.

Insgesamt zeigen uns die aktuellen Bilder und Entwicklungen, daß die größten Probleme und Gefahren der Menschheit nur global lösbar sind, nicht nur aus humanitären Gründen, sondern auch aufgrund ökologischer und ökonomischer Verflechtungen, und eine verstärkte Zusammenarbeit unter Zurückstellung nationaler Interessen in immer mehr Themenbereichen erforderlich ist, um die Wahrscheinlichkeit des Eintritts weiterer Katastrophen zu minimieren.

Zunächst drücke ich jedoch Japan die Daumen, daß der GAU ausbleibt.

Weiterführende Links:

Entwicklung der Weltbevölkerung

Weltweite Verstädterung

Ökonomische Impulse

Einstieg und Austieg in die Kernenergie

Kernenergie nach Ländern

Weltenergiebedarf

Erde 3.0

Erneuerbare Energien